Die Sage vom Waldschrat

Der Waldschrat mit Maske und Blätterhäs

Im Jahre 1410 wurde die Gemeinde Schönrain wegen Streitigkeiten der Grafschaft Eitelfritz und der Grafschaft von Ow gebrandschatzt und niedergefackelt. Dabei wurde der Dorfälteste durch das Schwert gestreckt. Vor seiner Hinrichtung schwor er bei seiner Seele, sich an der Grafschaft Eitelfritz zu Hechingen zu rächen. Mit diesem Fluch auf den Lippen wurde er enthauptet.

Jahre später wurde sein Geist erstmals im Nonnenwald gesichtet. In schauriger Gestalt erschreckte er die durch den Wald Reisenden.

Im Gewann „Schwarzer Hirsch“ trieb er sich hinter einem Birnbaum und den nahen Hecken herum und erschreckte und plagte Leute, die Feldmarken verrückten.

Alsbald war die Rede vom kauzigen Waldschrat, dem Schrecken aller gewöhnlichen Leute.

In den Jahren um 1540 lebte ein einzelner Mönch zurückgezogen oberhalb der abgegangenen Gemeinde Schönrain, wovon das Gewann „Mönchswald“ noch heute zeugt. Dieser Mönch soll den Waldschrat allein durch die Kraft seines Glaubens in den Ruinen der ehemaligen Gemeinde Schönrain gebannt haben. Jedenfalls wurde er über Jahre hinweg nicht mehr gesehen.

Um das Jahr 1590 wurden vier Frauen aus den Gemeinden Rangendingen, Sickingen und Bechtoldsweiler beschuldigt, auf dem Gewann „Schöner Rain“ bei den alten Eichen Hexentänze und Teufelsbeschwörungen abgehalten zu haben. Eine der Frauen war die Bechtoldsweilemerin Madlene Arnott. Sie wurde beschuldigt, Buhlschaft mit dem Teufel betrieben zu haben, und durch ihre Rituale bei den Eichen habe sie den fast vergessenen Waldschrat aus seinem Bann befreit, um mit seiner Hilfe das Volk zu verhexen.

Madlene Arnott wurde zusammen mit Margarete Haug aus Sickingen, Anna Oster und Katarine Clan, beide aus Rangendingen, der Hexerei bezichtigt und im Jahre 1595 zur Richtstätte am Heilig Kreuz geführt und durch das Feuer, vom Leben zum Tod als Unhold, lebendig zu Pulver und Asche verbrannt und hingerichtet.

Madlene Arnotts Geist wurde im Gewann „unter der Grube“ immer wieder gesehen. Alsbald wurde ihr Geist als Grubenweible bezeichnet. Der Sage nach heißt es, sie habe vorübergehend die Leute begleitet und verhext, so daß sie irre gegangen seien.

Wenn man heute in den Waldgewannen Nonnenwald – Mönchswald – Hofstätten und Azelisgärten – Schönrain verweilt, so kann es einem sein, als ob man Schritte und Schreie hört, und doch ist niemand in der Nähe.

Vor einigen Jahren wurde der Waldschrat im Gewann „Schwarzer Hirsch“ von einem älteren Mann wieder gesehen. Als dieser kundtat, einen Geist gesehen zu haben, wurde er von seinen Mitmenschen herzhaft ausgelacht. Dies veranlaßte ihn dazu, nie wieder auch nur ein Sterbenswörtchen darüber zu verlieren.

Sicher ist jedoch, daß es einem schaurig über den Rücken laufen kann, wenn man sich alleine im Wald aufhält. War da vielleicht der Waldschrat?