Der Bechtoldsweilemer Weißnarr – ein Wasserbettler

Der Weißnarr mit Maske, Kopftuch und Fuchsschwänzen

Der Grund, warum wir eine Weißnarrenfigur ins Leben gerufen haben, ist die Idee, die Geschichte bzw. historischen Ereignisse des Dorfes darzustellen und zu verbreiten.

Der Name des Weißnarrs ergibt sich durch die geographische Lage Bechtoldsweilers: Der Grundwasserspiegel des Dorfes liegt nicht sehr hoch. Früher, als man das Wasser noch aus den Brunnen holte, war in heißen Sommermonaten das kostbare Gut oft knapp, denn viele Brunnen trockneten dann aus. Die Ortschronik schreibt hierzu, daß in früheren Jahren die Brunnen im Oberdorf als erste versiegten und die Leute aus dem Oberdorf im Unterdorf um Wasser betteln mußten. Die Bewohner des Unterdorfes gaben ihr Wasser aber auch nicht gerne her, wenn es knapp wurde … Den ortsansässigen Lehrer traf es besonders hart: Da er bis 1932 keinen eigenen Brunnen besaß, mußte er das ganze Jahr über Wasser betteln gehen.

Maske und Kopftuch

Die Maske und das Kopftuch beziehen sich ebenfalls auf den geschichtlichen Hintergrund mit dem Wasser. Auf dem Kopftuch sind viele Wassertropfen zu sehen und ein Brunnen ist dargestellt, wie man ihn noch bis in die 50er Jahre fast vor jedem Bauernhaus sehen konnte und der im früheren dörflichen Leben eine sehr zentrale Rolle spielte. Die Maske sieht spitzbübisch aus und hängt durstig die Zunge zur Seite heraus.

Der alte Neckname der Bechtoldsweiler war „die Düsteren“, welchen man heute mit „die Durstigen“ übersetzen würde.

Das Häs

Auf der Vorderseite des Oberteils sind die Bechtoldsweiler Linden zu sehen. Am 9. Juli 1882 vom Kriegerverein in der Nähe des Friedhofes gepflanzt, sind sie heute weithin sichtbar und stehen inzwischen unter Naturdenkmalschutz.

Auf der Rückseite ein für viele Menschen wichtiges Gebäude, mit dem auch die Fasnet in Verbindung steht: das kleine katholische Kirchlein Sankt Wendelin, dessen Bau 1812 mit dem von Lambert Kaus vermachten Kapital und aus dem Erlös des Verkaufs seiner Güter vollkommen finanziert werden konnte.

Auf den Ärmeln und auf der Rückseite der Hosenbeine sind Apfel- und Birnbäume und deren Früchte zu sehen, welche auf die sehr alte Obstbautradition hinweisen, die auch heute noch privat und auf Vereinsebene gepflegt wird.

Auf der Vorderseite der Hose wurde das Abbild des alten Ortswappens von 1818 platziert. Unten an den Hosenbeinen sitzen sich ein Fuchs und ein Hase gegenüber. Auf Grund der ruhigen, abgeschiedenen Ortslage bekamen die Bechtoldsweiler Bürger immer den Satz zu hören: „Ach bei Eich saget sich d’r Fuchs ond d’r Has guat Nacht.“ Und auch heute noch klingt es einem manchmal in den Ohren.

Fuchsschwänze, G’schell und Narrenwurst

Die Fuchsschwänze, die am Kopftuch befestigt sind, beziehen sich nicht, wie weithin angenommen, auf die Bauernschläue, sondern auf die Darstellung des Fuchses im Mittelalter, wo er als abgeschlagen, falsch und verlogen galt. Mit Fuchsschwänzen wurden zu jener Zeit Lügner und Betrüger bestückt, um sie so in aller Öffentlichkeit anzuprangern. Die Fuchsschwänze am Weißnarr sollen auf die menschlichen Schwächen hinweisen und stellen den Narr als abgeschlagen, falsch und verlogen dar, weil er sich maskiert, um mit anderen seine Späße zu treiben.

Das G’schell soll nach alter Überlieferung zeigen, daß der Narr ganz auf sich fixiert ist und alles, was man von ihm zu hören bekommt, nichts weiter als hohles Getöne und leeres Geklingel ist. Die Narrenwurst, die unser Weißnarr mit sich führt, steht für das Übermaß in der Fasnet, bevor ab Aschermittwoch für sechs Wochen die Fastenzeit beginnt.

Narrenruf des Weißnarren: „Wasser-Bettler“ – „Brunne-Graber“ – „Epfel-Schittler“